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Josef Kraus im Kindergarten Mondschauk´l Ernsgaden

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut

Josef Kraus
Josef Kraus signierte sein Bestseller-Buch "Helikoptereltern"

Ein Schmunzeln geht durch den voll besetzten Turnraum des Kindergartens, als der Autor von „Helikopter-Eltern“ Josef Kraus sagt: “Sie spielen ihren Babys Mozart vor, bringen ihre Schulkinder bis zur Klassenzimmertür und wählen für sie das passende Gymnasium aus: aus  Angst, etwas falsch zu machen oder zu versäumen, schweben immer mehr Eltern einer militärischen Eingreiftruppe gleich über ihren Kindern – wie ein Helikopter eben.“ Mindestens ein Sechstel aller Kinder sei einem Klima der Verwöhnung und der Totalkontrolle überbesorgter Eltern ausgesetzt. Übersensible und und unsichere Eltern machten „Jagd auf Gutachten“, um für die Kinder vermeintliche Vorteile zu „erkämpfen“.

Der Begriff „Helikopter-Eltern“ wurde vor einigen Jahren in Amerika  erfunden. Dem streitbaren  Rektor eines Landshuter Gymnasiums dient er als Grundlage für seine Thesen, dass viele Eltern zwischen natürlicher Schutzhaltung und Überbehütung, Kindorientieung und Kindversessenheit nicht mehr unterscheiden können. Das große Interesse an seinem Buch „Helikopter-Eltern“ und die Präsenz des Autors in den Medien und bei vielen Diskussionsrunden zeigt, dass das Thema viele Eltern bewegt – vor allem die unsicheren.

Kraus plädiert gegen den Förderwahn („Da haben wir viele Eltern, für sie beginnt das Leben erst mit dem Abitur“), gegen Überbehütung („Da gibt es Eltern, die bringen ihre Sprößlinge täglich ins Klassenzimmer und holen sie dort wieder ab, nicht ohne sich vorher beim Lehrer über die ungerechte Behandlung ihres Kindes zu beschweren“) und gegen Verwöhnung („Was soll sich ein Kind noch wünschen, wenn das Kinderzimmer bereits überquillt?“).

Nach Kraus sind - kritisch betrachtet und mit Blick auf menschliches Lernen und menschliche Entwicklung -  große Teile der aus der Hirnforschung angeblich abzuleitenden Empfehlungen für Bildung und Erziehung schlichtweg „Legenden und Irrlehren“. Mit vielen Beispielen, exakten Untersuchungs- und Forschungsergebnissen und humorvollen Erzählungen aus seiner pädagogischen Praxis ermunterte der Referent, die eigene Rolle in der Erziehung kritisch zu hinterfragen.  Der derzeit exitierende „Abiturwahn“ mit der einhergehenden „Inflationierung“ von guten Noten sei ebenso ein „Riesenproblem“ für die Gesellschaft wie die mit nichts zu rechtfertigende  Vernachlässigung der beruflichen Bildung. Das werde sich bereits in der nächsten Generation rächen, so der Referent.

Wie so oft sei der „goldene Mittelweg“ ratsam: Die Kinder mit einem achtsamen Blick zu führen und wachsen zu lassen. Die Spößlinge sollten einfühlsam beobachtet werden und einfache Hilfestellungen bekommen, dort wo nötig.  Man sollte den Kindern keine Tätigkeiten abnehmen, die sie altersgemäß selbst ausführen können. Man sollte sie ohne zu überfordern  „in Anspruch nehmen, damit sie auf die eigene Leistung stolz sein können“.

Mit einem Plädoyer für eine Erziehung mit Leichtigkeit und Humor regte er die anwesenden Eltern an, Erziehung und Bildung nicht immer „schwer zu nehmen. „Humor hilft, denn Lachen bietet Hilfe zur Lebensbewältigung, ja gar Lebenshilfe und es kann sogar Mittel der Psychotherapie sein“. Er wehrt sich aber gegen Ironie und Zynismus, beides habe in der Erziehung nichts zu suchen.

Im Rahmen der lebhaften Diskussionsrunde wurden die Schulpolitik und Schulpädagogik teilweise nicht nur vom Fachmann, sondern auch von besorgten Eltern in Frage gestellt. Da war zu hören: Politik, Pädagogen und Wissenschaft verunsicherten Eltern und Kinder durch angstmachende Zahlen, Quoten und Forderungen, so dass sich Eltern neben der Verwöhnung und Überbehütung zu einem „Wettrüsten“ von Forderungen und Förderungen an die Adresse der Kinder verpflichtet fühlten. Nicht ganz zu klären war, ob der "Notendruck" von den Lehrern oder den Eltern kommt ...

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