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Gemeinde Ernsgaden  |  E-Mail: info@ernsgaden.de  |  Online: http://www.ernsgaden.de

Seit über 100 Jahren gibt es die Bahnhofgaststätte in Ernsgaden. Seit 1956 ist sie im Besitz der Familie Schleibinger, jetzt schon in dritter Generation. Eigentümerin Heidi Schleibinger betreibt zwei Gästehäuser, eine Gastwirtschaft und einen Partyservice.

Heidi´s Traum

Heidi Schleibinger Urkunde
Heidi Schleibinger erhielt von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und dem Präsidenten Ulrich N. Brandl eine Urkunde für "zwei Sterne Superior".
Der Gasthof an der „scharfen“ Kurve in der Ernsgadener Bahnhofstraße hat eine lange Tradition. Früher, vor über 100 Jahren, war noch eine Brauerei dabei. Dann war das Haus in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts als „Bahnhofsgaststätte“ bekannt. Beim damaligen Wirt „Stießberger“ wurden im Saal große Feste gefeiert, Hochzeiten zum Beispiel oder auch Geburtstage. Diese Tradition setzte auch die Großeltern der jetzigen Eigentümerin Heidi Schleibinger fort, als sie im Jahr 1956 die Gastwirtschaft vom damaligen Besitzer Amann übernahmen. Unter ihrer Regie blühte in den fünfziger und sechziger Jahren das gesellschaftliche Leben in Ernsgaden auch und gerade beim “Schleibinger”. Als es noch kein Sportheim in Ernsgaden gab, das erste wurde 1968 eröffnet, hatten hier die Fußballer ihr Vereinslokal.
Schleibinger Gebäude alt
Das frühere Gasthaus Raster, heute Schleibinger

Auch der Schützenverein „Eichenlaub“ fühlt sich hier seit jeher wohl. Er hat bis heute seinen Schießstand im Keller. Im Nebenzimmer hängen die Königsscheiben an der Wand und unzählige aneinandergereihte Pokale sind die Zeugen großer Erfolge bis in die heutige Zeit. Auch die Fischer treffen sich zu Versammlungen und zum Feiern.

Die älteren Ernsgadener schwärmen noch heute von den rauschenden Siegesfeiern der Fußballer und den feucht–fröhlichen Faschingsbällen, bei denen der Wirtshaussaal bis auf den letzten Platz gefüllt war und mit Live-Bands bis in den Morgen gefeiert wurde. Auch die Paare im Ort, die heute schon die „Goldene Hochzeit" feiern können, erinnern sich bei einem Gläschen Sekt gerne an den ersten Tanz vor mehr als 50 Jahren im Schleibingersaal und dass man sich dort „kennengelernt“ hat.

Max und Heidi SchleibingerAls weiteres Standbein eröffnete dann Heidis Vater Max Schleibinger (li.), ein gelernter Metzgermeister, im Jahr 1965 eine Metzgerei, die bis vor ein paar Jahren die Ernsgadener mit Fleisch und Wurst versorgte. Die Schweine kamen von den Bauern aus dem Ort oder aus der Umgebung und wurden damals natürlich selbst im eigenen Schlachthaus - es befindet sich auf der Rückseite der Gastwirtschaft - erlegt, zerteilt und verwurstet. Heute gibt in Ernsgaden keine Landwirte und auch keine Metzgerei mehr. Den Preiskampf mit den Discountern wollte man nicht aufnehmen. Im Jahr 1968 hatte der Max seine Frau Helga geheiratet, die aus dem Bayerischen Wald stammte und die er während eines Ausflugs mit einem Freund kennen gelernt hatte. Der Max ist heute ein „Mitsiebziger“ und steht oft noch hinter der Theke und schenkt die Getränke aus, vor allem dann, wenn es bei Veranstaltungen hoch her geht. Helga Schleibinger verstarb im Jahr 2001 leider viel zu früh.

Soweit zur Geschichte. Sprung in die Gegenwart: Erst kürzlich hat Heidi Schleibinger von der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner für ihr Gästehaus wieder die Klassifizierung „Zwei Sterne Superior“ bekommen – und eine Urkunde. Aber das sind nur Symbole, dahinter steckt mehr.

Vielleicht braucht es die oben erzählte Vorgeschichte um die Motivation, den Ehrgeiz, die Schaffenskraft, die Leidenschaft und auch den Erfolg von Heidi Schleibinger zu verstehen. Schon als Kind lauschte hörte sie auf dem Schoß des Vaters am Stammtisch den Alten beim Politisieren zu oder folgte der Mutter am Rockzipfel an die Fleisch– und Wursttheke im Laden. Die “Wirtschaftsluft”, die sie geschnuppert hatte, ließ sie nicht mehr los. So war es für sie gar keine Frage, in ihrem Metier zu bleiben, um nach Ende der „Lehr– und Wanderjahre" und einer qualifizierten Fachausbildung als Hotelmeisterin zu den Wurzeln zurückzukehren. Sie hat viel gesehen und im Laufe der Zeit reifte in ihr die Entscheidung, als weiteres Standbein ein Hotel zu bauen. Den Traum, selbstständig zu sein, auf den eigenen Beinen zu stehen, eine eigene kleine Pension zu führen, hatte sie eigentlich schon immer gehabt.
Gästehäuser
Heidi´s Gästehäuser

Schon früh hatte sie vor 15 Jahren den richtigen „Riecher“, dass Hotelzimmer und -betten von guter Qualität im „mittleren Preissegment“ im Landkreis Pfaffenhofen Mangelware waren und sind. Es sind weniger Touristen, die in Heidi´s Gästehaus übernachten, sondern mehr Geschäftsreisende, Mitarbeiter von größeren Firmen aus und rund um Ingolstadt und auch die viel besagten „Monteure“, die oft von weit her kommen, nicht selten aus dem Ausland, um hier in unserer “Wachstumsregion” zu arbeiten und Dienstleistungen zu erbringen. Ab und zu kommen auch Norddeutsche oder Holländer von der nahen Autobahn zur Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Süden oder auf dem Heimweg.

Zunächst baute Heidi Schleibinger im Jahr 2003 ein Gästehaus, und weil die Nachfrage riesig war und es so gut ging, gleich noch ein zweites dazu. Heute kann sie den Gästen 30 Betten in 18 Zimmern anbieten, schreibt hervorragende Übernachtungszahlen (deren Höhe ihr Geheimnis ist) und ist mit der geschäftliche Entwicklung rundum zufrieden. Einen Partyservice mit verschiedensten Schmankerln hat sie dann auch noch aufgebaut und kann damit feiern mit bis zu 300 Personen ausrichten.
Schleibingersaal renoviert
Der renovierte Wirtshaussaal

Vor einiger Zeit hat sie ein Nachbargrundstück erworben, dessen Wohnhaus bis vor kurzem für Übernachtungen diente und in dessen Hof, im Nebengebäude und in der „Alten Schmiede" in den letzten Jahren der Ernsgadener Künstlermarkt veranstaltet wurde. Man darf schon gespannt sein, was in Zukunft auf dem Gelände noch alles passiert erst. „Zwischendurch“ hatte sie jedoch noch ein anderes Projekt: Sie hat den Saal des Gasthauses renoviert, den sie jetzt als „unser Schmuckstück“ bezeichnet.
Sektionskönigin
Sektionsschützenkönigin Heidi Schleibinger, begleitet von Tim Mayerhofer, Max Schreiner und Wolfgang Kund (v.li.)

Heidi Schleibinger steht früh auf, ist immer auf den Beinen, stets am Organisieren und werkeln. Besonders stolz ist sie auf ihr Team, die Mitarbeiterinnen, die ihr – von wenigen Ausnahmen abgesehen – schon seit vielen Jahren die Treue halten und sie kräftig unterstützen. Ein wenig Ausgleich findet sie bei ihrem Hobby, dem Schießsport, in dem sie ziemlich gut ist. Sie schießt in der Mannschaft des Ernsgadener Schützenvereins. Erst heuer wurde sie Sektions–Schützenkönigin, das hat sie besonders gefreut. Zukunftspläne gibt es auch und den einen oder anderen Wunsch „gesund zu bleiben und noch möglichst lange arbeiten zu können“.

Etwas Verbandspolitik muss auch sein: Heidi Schleibinger ist auch in der Vorstandschaft des Hotel- und Gaststättenverbands des Landkreises. Daher die Erläuterung der Sterne ausführlich: Die Deutsche Hotelklassifizierung mit ihren fünf international anerkannten Kategorien (1-5 Sterne) ist 1996 eingeführt wurden. Die verliehenen Sterne haben im Klassifizierungssystem eine Gültigkeit von drei Jahren. Dann muss sich der Hotelier erneut einer Beurteilung stellen. Durchgeführt werden die Bewertungen im Freistaat Bayern von der Bayern Tourist GmbH (DPG), einer Tochtergesellschaft des Bayerischen Hotel– und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern e.V. Dazu wird bei allen zu klassifizierenden Betrieben eine Prüfung vor Ort vorgenommen.

Nach dem Vorbild der Deutschen Hotelklassifizierung haben mittlerweile die Hotelverbände von 14 weiteren europäischen Ländern ein harmonisiertes europäisches Klassifizierungssystem eingeführt. Damit wird den Gästen auch grenzüberschreitend eine zuverlässige Entscheidungshilfe für die Auswahl der Hotels geboten. In einem immer größer werdenden Wettbewerb der zahlreichen bayerischen Betriebe ist die Sterneklassifizierung ein entscheidender Wegweiser für Gäste, die sich anhand der Klassifizierung für einen bestimmten Standard entscheiden, so der Verband.

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